Google nun auch gegen Internet-Explorer

Veröffentlicht am: 1. März 2009 Aktualisiert am: 1. März 2009

Seit einiger Zeit schon läuft auf EU-Ebene ein Verfahren gegen Microsofts Internet-Explorer. Nun hat sich auch Google auf die Seite der Kläger gestellt und bringt den Software-Giganten allmählich in Bedrängnis. Es geht wieder einmal oder vielmehr immernoch um Microsofts Entscheidung, den Internet-Explorer mit seinem Betriebssystem Windows auszuliefern. Angeblich ein wettbewerbswidriges Verhalten.

Die Klage war erstmals vom norwegischen Browser-Spezialisten Opera ausgegangen. Nun hat Google bekundet, dass ihrer Meinung nach „im Browser-Markt noch immer weitgehend kein Wettbewerb herrscht“. Angeblich allein deshalb, weil Microsoft sich mit der Einbidnung des IE in Windows einen unfairen Vorteil verschafft. Die Klage wurde im Januar von Opera gestartet und wenig später hatte ich Mozilla mit ihrem Firefox angeschlossen, jetzt kam wie gesagt Google Chrome dazu. Microsoft hat jetzt noch einige Wochen, um sich zu den Anschuldigungen zu äußern.

Ganz abwegig sind die Befürchtungen der Kläger nicht. Mitte der neunziger Jahre, als das Internet allmählich ausgebaut wurde, kaum Microsoft zum ersten Mal auf die Idee, den IE mit Windows zusammen auszuliefern … und hat den damaligen Konkurrenten Netscape verdrängt. Ja, damals war Netscape eine Art Vorzeigemodell in Sachen Internet. Und wer kennt geschweigedenn nutzt ihn heute noch? Kaum jemand, denn Microsofts eher illegale Vorgehensweise hatte vollen Erfolg.

Ungeschoren kam der amerikanische Softwaregigant natürlich nicht davon: In den vergangenen Jahren hat die EU-Kommission Microsoft immer wieder mit Strafen belegt, die sich inzwischen insgesamt auf eine Höhe von 1,7 Milliarden Euro summieren. Sollte die aktuelle Klage Erfolg haben und die Kommission den Vorwurf, Microsoft würde seine Dominanz im Betriebssystem-Bereich wettbewerbswidrig ausnutzen, bestätigen, würde eine Strafe drohen, die jedem Unternehmen das Genick brechen würde: Ein Zehntel eines Jahresumsatzen. Im Fall von Microsoft wären das nicht weniger als sechs Milliarden Dollar!

Interessant wird es, wenn man einmal genauer über die Problematik Wettbewerb im Browser-Markt nachdenkt. Es ist an sich schon komisch, von Wettbewerb zu sprechen, da eigentlich alle Browser kostenlos zum Download erhältlich sind. Jeder Internetnutzer kann also selbst entscheiden, welchen Browser er nutzt, und, was besonders wichtig ist, er kannt alle nach Lust und Laune durchprobieren, ohne dass ihm dadurch ein finanziellr Schaden entstünde, wie bei kostenpflichtiger Software.

Außerdem stellt sich auch noch eine andere Frage: Nehmen wir einmal an, Microsoft würde den IE aus dem Windows-Installationspaket rausnehmen. Alle Browser stehen online zum Download bereit. Wie sollte nun jemand, der sich einen neuen Rechner gekauft hat (mit Windows natürlich), überhaupt an Browser herankommen. Denn das ist die Ironie der ganzen Geschichte: Um einen Browser zu bekommen, braucht man einen Browser, notfalls auch den eines Konkurrenten.

Fragwürdig ist auch, ob man sich überhaupt noch über die „Dominanz“ vom Microsofts IE beschweren kann. Gut, laut den Auswertungen vom Surfverhalten der weltweiten Internet-Fangemeinde, nutzen immerhin 44,8 Prozent den Internet-Explorer. Das ist eine wirklich beeindruckende Menge. Vor allem, wenn man sie mit der Kokurrenz vergleicht: Google Chrome, das jüngste Mitglied der Browserfamilie, hat es immerhin schon auf 3,9% geschafft, Apples Safari dümpelt bei etwa 3,0% herum, während sich Opera mit 2,3% zufrieden geben muss. Soweit also ist die Klage aus Sicht von Opera und Google durchaus berechtigt. Unglaubwürdig wird der Fall jedoch mit Mozilla. Hat jemand mitgerechnet? Fifefox kommt nämlich auf 45,5 Prozent, sprich sogar ein wenig mehr als der Internet-Explorer. Man sollte sich also fragen, weshalb sich Mozialla an der Klage beteiligt … vielleicht nur, um auf der Seite der „Guten“ zu stehen?

Ich vermute mal, dass der IE vor allem in Amerika stark genutzt wird. Ich persönlich kenne eigentlich niemanden, der diesen Browser noch nutzt, ich selbst lediglich gelegentlich für Vergleichsansichten. Um die Zahlen da oben ein wenig zu untermauern, gebe ich euch gleich noch einmal ein Beispiel für das ungefähre Internetverhalten der Leute die unsere Website besuchen. Anhand der Besucherverteilung können wir die Besucher von außerhalb des deutschsprachigen Raums (BRD, Österreich und Schweiz) mal ausschließen, das sind nur ein paar Kommastellen.

Ganz hinten in der Liste der Browser liegt dann Google Chrome mit 1,33%, danach kommt Safari mit immerhin schon 1,82%. Opere kommt immerhin schon auf 4,16%. Ganz vorne stehen natürlich IE und Firefox. Will jemand raten, wie das Verhältnis ist? 50:50 ? oder eher 75:25? Vielleicht nicht so extrem, sondern eher 60:40? Ich kann nur sagen, alles weit gefehlt. Das Verhältnis IE-FF steht für unsere Webseite bei etwa 14:86 …. das spricht Bände oder? In Zahlen: 13,21% IE-Nutzer gegen 78,82% Firefox-Nutzer … da frage ich mich doch, wer hier eigentlich der Marktführer ist. Hier nochmal zur Anschaulichkeit:
BrowserverhältnisIch finde diesen Kampf der Browser-Giganten ehrlich gesagt sehr faszinierend, da es im Grunde ziemlich sinnlos ist. Jeder tut letztendlich ja doch das Gleiche: Er stellt Webseiten da und ermöglicht dem Benutzer so, das Internet zu nutzen. Natürlich gibt es da Unterschiede: Der eine ist angeblich schneller, der andere sicherer, der IE zerhaut einige Seiten total (kleiner Tipp: Guckt euch nie mit dem IE 6 unsere Startseite an ;-) ) usw.
Aber letztendlich unterscheiden sie sich eigentlich nur darin, welche Zusatzfunktionen sie mitbringen. Beim IE ist das eigentlich nur die Möglichkeit, Windows-Updates runterzuladen. Beim Opera kann man das Erscheinungsbild individuell anpassen und genau wie beim Firefox auch, kleine Zusatzprogramme runterladen. Nur dass die beim FF richtig integriert werden, während sie beim Opera eigenständig bleiben.

Meiner Meinung nach sollte jeder selbst entscheiden, welchen Browser er nutzt. Ich würde Microsofts IE in Windows eher als eine Art Grundausrüstung betrachten. Er ermöglicht das Surfen, ist aber langsam und unbequem. Wem das reicht, der bleibt eben dabei, wer mehr will, der wechselt zu einem anderen Browser. In den meisten Fällen wird das der Firefox sein. Der ist wesentlich schneller, erweiterbar und sicherer. Google Chrome soll zwar noch schneller im Aufbau der Seiten sein, aber angeblich Informationen über besuchte Seiten an Google schicken. Ich persönlich habe mich inzwischen für den Opera entschieden. Er bietet alle Vorteile eines modernen Browsers, die Geschwindigkeit spielt bei meiner schleichenden Verbindung (DSL 800) eh keine Rolle, und er sieht vor allem wesentlich besser aus als der Firefox. Außerdem, und das ist der wichtigste Punkt, gibt es ihn in der aktuellsten Version (z.Zt 9.36) für U3-Laufwerke. Den Firefox kann man da zwar auch installieren, muss sich dann aber mit der Version 2 begnügen.

Ich bin aber trotzdem gespannt, wie der Kampf der Browser-Giganten weitergeht. Erst einmal wird ja der neue IE 8 veröffentlicht werden, der bereits in der Beta-Phase ist. Dann wird sich zeigen, um Microsoft ihn zusammen mit Windows ausliefert oder nur einzeln zum Download anbietet. Es bleibt spannend.

Das Diagramm stammt von Google-Analytics.

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3 Comments

  1. Paul
    Paul März 02, 14:30

    Also erstmal zur Grafik: Auf AllTheMedia kommen vor allem jüngere Nutzer (bis 30 Jahre). Da scheint es tatsächlich so zu sein, dass der Firefox die meisten User überzeugen konnte. Bei den älteren Usern ist es vor allem der IE, da er auf jeden Rechner bereits vorinstalliert ist.

    Trotzdem finde ich es absoluten Humbug, wenn man jetzt MS vorschreiben sollte, nicht mehr den IE bei Windows hinzuzugeben. Damit kommt man zumindest erstmal ins Internet. Wie soll man sonst ins Internet kommen und einen anderen Browser installieren??????? Wie dem auch sei. Dann müsste man ja danach gleich Apple verklagen (bringen sie doch Safari auf iPhone und MacBook?) und alle anderen Hersteller, die ihre eigenen Marken versuchen zu pushen. Ich weiß nicht, wieso man vors Gericht muss.

    Das Google dafür ist, ist mir klar. Dümpeln sie doch mit 1% Markanteil mit Chrome weit hinten rum. Aber wenn man MS verklagt, kann man gleich alle anderen Hersteller, die gleiches machen, auch verklagen.

    Meine Meinung.

    Paul

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  2. Sten
    Sten März 02, 20:05

    also ich finds auch total dämlich per gerichtsverfahren die vermarktung seiner eigenen software einzuschränken !! also ich mein wo kommen wir da hin wenn zB. VW jetzt aus wettbewerbsgründen standartmäßig opelmotoren einbauen müsste ! und außerdem wenn google mir chrome nichts bewirkt da nicht jeder will dass google über einen besser bescheid weiß als man selbst (spy ab werk :D ) dann ist dass halt so. Selbstgemachtes Leiden!!! und wegen monopolismuss brauch google ma gar nicht kommen … die besitzen schließlich das monopol der suchmarschienen im netz, ein eigenes handy, die startseite im handybrowser vieler mobiltelefone mit umts verträgen, besitzen youtube und wollen nun auch noch browsermarktführer werden !!!!!!! also im falle google müsste man eigentlich allein wegen dieser dreistigkeit auch noch zu klagen jede alternative nutzen die man finden kann , also ich sage guten tag myvideo –> good by youtube , hallo IE –> nie chrome . hallo yahoo –> tschüss google websearch … Monoplosimus ist schlecht und führt zu vermarktungsproblemen aber wenn sich die fettesten MEGA MONOS sich gegenseitig auf die finger hauen wirds erst richtig peinlich

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