Königsklingen — Buchvorstellung

Veröffentlicht am: 8. März 2009 Aktualisiert am: 23. Januar 2010

koenigsklingen_coverNach dem Erfolg von „Kriegsklingen“ und „Feuerklingen“, den ersten beiden Bänden von Joe Abercrombies Meisterwerk, ließ der dritte Teil nicht lange auf sich warten. Viele Fragen waren noch offen, etliche Kämpfe mussten ausgefochten werden und jedermann wollte wissen, wie es weitergeht mit den großen Helden aus Kriegsklingen. Würde Logen der Barbar seine alten Freunde und Kampfgefährten wiedertreffen, wenn ja unter welchen Umständen und wie würde es ausgehen? Was plant Bayaz, da er den Samen nun nicht gefunden hat? Überlebt West den Krieg im Norden? Ich könnte die Liste der Fragen noch endlos weiterführen, aber viel interessanter sind ohnehin die Antworten. Wie schon in den beiden ersten Artikeln zu der Reihe werde ich versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel über den Ereignissen im Weltenrund zu bringen, ohne zu viel zu verraten.

Also, wo hatten wir unsere Helden aus den Augen verloren? Achja. Wie schon gesagt, war die weite Reise in den Westen, zu der Bayaz Logen, Ferro und Jezal mitgeschleppt hatte, umsonst gewesen. Man hatte um sein Leben kämpfen, hungern und frieren müssen, doch am Ende waren die unfreiwilligen Gefährten auf einer Felsinsel gelandet und hatten feststellen müssen, dass der gesuchte Samen, mit dem Bayaz angeblich die Feinde aus dem Süden vernichten wollte, längst nicht mehr da war.

Im Süden hatte Inquisitor Glokta ähnlich wenig zu lachen gehabt. Nachdem er unter großen Gefahren, mit undurchdringlichen Intrigen und vor allem einem Berg von Schulden versucht hatte, die Stadt Dagoska gegen die anstürmenden Truppen des Imperators zu beschützen, war er am Ende doch gescheitert und hatte sich gezwungen gesehen, den Ort des Geschehens rechtzeitig zu verlassen.

Währendessen hatte es in Adua, dem Herzen der Union seltsame Vorfälle gegeben. Der Thronfolger war angeblich im Norden gefallen, der zweite Sohn des Königs wurde wenig später ermordet aufgefunden. Und das zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Im Norden und im Süden herrscht Krieg und der König ist alt und schwach. Schon beginnt der Kampf um die Nachfolge des Herrschers. Da es keine Erben mehr gibt, muss ein neuer König aus den Kreisen der bedeutendsten Persönlichkeiten des Rates gewählt werden.

Die einzigen guten Neuigkeiten hatte es eigentlich nur im Norden gegeben: Den Truppen der Union war es letztendlich doch noch gelungen, die Nordmänner zu schlagen und die Festung, in der sich diese einquartiert hatten, zurückzuerobern. Dass es auch dabei vor allem bei den Verbündeten Nordländern zu großen Schwierigkeiten gekommen war, spielte im Endeffekt keine Rolle. Von den Uniossoldaten hatte niemand gemerkt, dass sich die übergelaufenen Barbaren mit Horden von Plattköpfen und einem gigantischen, unirdischen Monster hatten herumschlagen müssen.

So hatte es in etwa am Schluss des zweiten Buches ausgesehen.

In etwa kann man sich denken, wie es weitergeht: Die Reisegefährten um Bayaz kommen zurück nach Adua, im Norden geht der Krieg weiter und die Truppen des Imperators lassen auch nicht lange auf sich warten. Tatsächlich beginnt das Buch damit, dass Logens ehemalige Freunde eine Stadt einnehmen, damit die Uniostruppen diese als Hafen und Vorposten benutzen können. Daraufhin liest man ersteinmal eher wenig von den Ereignissen im Norden, es folgt ein Sprung in den Süden, nach Adua, wo Logen, Ferro, Bayaz und Jezal nun plötzlich ihre Reise beenden. Die Rückreise aus dem alten Kaiserreich wurde komplett übersprungen, was aber nicht schadet. Interessanter sind ja ohnehin die Ereignisse im Herzen der Union.

Die Wege der Helden trennen sich hier auch bald wieder. Logen bricht fast sofort in den Norden auf, Ferro sieht sich gezwungen, bei Bayaz zu bleiben, und Jezal versucht verständlicherweise, möglichst großen Abstand zum Ersten der Magi zu wahren. Er kehrt zu seiner Geliebten, Wests Schwester zurück, ein Wiedersehen, das nicht ganz so verläuft, wie geplant, sich letztendlich aber doch zu einer Affäre entwickelt.

Auch Glokta ist schon seit einiger Zeit wieder in der Stadt und mit der Aufgabe betraut, für seinen Vorgesetzten Stimmen zu sammeln. Denn natürlich strebt auch der Leiter der Inquisition nach der Königswürde. Dass es dabei natürlich unterschiedlichen Erfolg gibt, war abzusehen, und so ist Gloktas Stimmung nicht die Beste, als er von Jezals Machenschaften mit Wests Schwester erfährt, die er ja zu beschützen versprochen hatte. Er zwingt den jungen Mann, Ardee entweder zu heiraten oder zu verlassen.

Die Entscheidung wird ihm ersteinmal abgenommen, da Jezal urplötzlich befördert und gegen die aufständischen Bauern ins Feld gesandt wird — ein Himmelfahrtskommando.

Ich möchte dieses Mal inhaltlich nicht allezu viel zu verraten, das soll als Einblick erst einmal reichen. Wichtig ist allerdings noch die Frage nach dem Titel des Buches. Wie er schon erwarten lässt, stirbt der König der Union wenig später und es muss ein Nachfolger bestimmt werden — wie nicht anders zu erwarten, hat Bayaz natürlich auch hier wieder seine Hände im Spiel und überzeugt den Rat, dass niemand anderes als Jezal dan Luthar ein unehelicher Sohn des Königs ist. Da dieser inzwischen aufgrund von Erfolgen, für die er nichts kann, ein Held ist, dauert es nicht lange, bis der Großteil des Rates seine Zustimmung bekundet.

Aber es gibt noch einen Königswechsel. Logen schließt sich im Norden seinen Freunden wieder an und es gelingt ihnen, Bethod in eine Falle zu locken und seine Truppen zu vernichten — was leider dazu führt, dass dieser sich in seiner Stadt eingräbt. Logen fordert ihn heraus und tötet ihn wenig später. Woraufhin die Nordmänner ihn zu ihrem neuen König machen.

Alles in allem also ein sehr wendungsreiches und spaßiges Spektakel mit unglaublicher Spannung. Vielleicht ist das Buch ein wenig überladen. Denn neben dem Krieg im Norden, der mit Bethods Tod dann endet, Jezals Problemem mit der Königswürde und den Machenschaften unbekannter Mächte in Adua, die Glokta aufzuspüren versucht, greifen nun auch noch die Truppen des Imperators aus dem Süden an und belagern wenig später die Hauptstadt. Wie gesagt, vielleicht ein wenig übertrieben, aber deshalb nicht weniger actionreich.

Ein paar Worte zum Ende möchte ich noch verlieren. Der Krieg im Norden ist, wie gesagt, vorbei und auch die südlichen Aggressoren werden unter hohen Verlusten zurückgeschlagen. Selbst für Jezal auf dem Thron sieht es einigermaßen gut aus … wenn auch aus Gründen, von denen er nichts ahnt. Ferro hat sich aufgemacht in den Süden, um endlich Rache zu suchen und Bayaz erhebt Glokta in den geschlossenen Rat, bevor er sich selbst zurückzieht. Dabei wird endlich all das aufgedeckt, was im Verlauf der Geschichte unklar geblieben ist. Und Logen? Naja, der ist wieder genau dort, wo er am Anfang des ersten Buches war: Er springt aus gefährtlicher Höhe in einen Fluss, hat weder Freunde noch eine Aussicht auf einen geruhsamen Lebensabend. Kurz dachte ich, er würde beim Sturz umkommen, aber inzwischen halte ich das für unwahrscheinlich. Warum? Weil es noch ein Buch gibt. Obwohl alles auf Ende hindeutet — Logen wieder allein, Feinde abgewehrt, Bayaz verschwindet, offene Fragen werden geklärt —, geht es weiter. „Racheklingen“ nennt sich das Werk und soll vermutlich im September dieses Jahres erscheinen. Man darf also gespannt sein, welche Aufregungen unseren Helden noch bevorstehen. Wenn es soweit ist, werde ich natürlich auch wieder darüber berichten.

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2 Comments

  1. sh
    sh Juli 26, 14:04

    Sag mal Michel, was hast du denn vor ein paar Jahren gelesen? Was kam also zwischen Harry Potter und diesem Buch. Ich brauch mal ein paar Tipps.

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  2. Michel
    Michel Juli 26, 18:02

    Ja, was kam dazwischen? Eine ganze Reihe von Büchern. Aber empfehlen würde ich vermutlich die Reihen um „Die Elfen“ und „Die Zwerge“. Das habe ich vor drei oder vier Jahren gelesen. Zumindest die beiden jeweils ersten Bücher sind sehr schöne Geschichten. Wer weniger fantastische Wesen mag, könnte auch „Die Gilder der Schwarzen Magier“ (Auch bekannt als „Rebellin“/“Novizin“/“Meisterin“) oder „Das Zeitalter der Fünf“ („Priester“/“Magier“/“Götter“) beide von Trudi Canavan nehmen. Allesamt sehr bekannte und beliebte Fantasy-Reihen. Ein Einstieg in die Literatur der Fantasy bietet auch „Der Kleine Hobbit“ von J.R.R. Tolkien, das Vorbuch zum „Heer der Ringe“.

    In Richtung Science-Fiction kann ich nur Stephen Baxter empfehlen. Eines meines Lieblingsbücher ist „Sternenkinder“. Aber Achtung: Das mag zwar nach Kinderbuch klingen, ist aber nicht unbedingt für Kinder unter 14 Jahren zu empfehlen. Schließlich gehts um sehr viel Krieg und ist auch relativ anspruchsvoll, weil zum Teil sehr wissenschaftlich. Was dagegen eher für das Alter geeignet wäre, ist „Lucky Starr“ von Isaac Asimov.

    Wer etwas zum Lachen haben will: „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams kann man eigentlich in jedem Alter lesen. Zumindest die ersten vier der fünf Bücher sind wirklich unterhaltsam.

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